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1. Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung des Gelbdrucks der „Instandhaltungs-Richtlinie“ bei der täglichen Arbeit des Sachkundigen Planers
Einführungsvortrag Dr.-Ing. Michael Fiebrich, Bau Ingenieur Sozietät Sasse & Fiebrich, Aachen und Vorsitzender der GUEP, Krefeld

Die bauaufsichtlich in der MVV TB eingeführte Regel für die Instandsetzung von Betonbauteilen ist die Instandsetzungs-Richtlinie, Ausgabe 2001. Der derzeitig vorliegende konsolidierte Gelbdruck aus 2018 fasst das Expertenwissen auf heutigem Sachstand zusammen. Das Dokument repräsentiert die Auffassung der an der Bearbeitung beteiligten Gruppen Bauherrschaft, Sachkundige Planer, ausführende Unternehmen. In dem Vortrag werden Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung des Gelbdrucks bei der täglichen Arbeit eines Sachkundigen Planers im Zuge der Ist-Zustandsaufnahme, der Erarbeitung von Instandsetzungskonzepten und Leistungsverzeichnissen aufgezeigt.

2. Eine neue Instandhaltungs-Richtlinie: Vision oder Verwirklichung in 2020?
Dr.-Ing. Wilhelm Hintzen, Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt), Berlin

Mit dem Beschluss der Fachkommission Bautechnik der Bauministerkonferenz, eine technische Regel zur Spezifikation von Leistungsmerkmalen und Anforderungen an Instandsetzungsprodukte zu formulieren, mit denen die Grundanforderungen an Bauwerke verwendungsspezifisch erfüllt werden, sieht der Sachkundige Planer Licht am Ende des bereits seit September 2006 durchfahrenen Tunnels. Das Deutsches Institut für Bautechnik hat eine zugehörige Projektgruppe „TR Instandhaltung von Betonbauwerken“ eingerichtet. Es wird über den Bearbeitungsstand der Technischen Regel und über die Möglichkeiten der Aufnahme in die Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen berichtet.

 

3. Aspekte der Digitalisierung von Bestandsbauwerken im Zuge der Ist- Zustandsaufnahme
Prof. Dr.-Ing. Christian Glock, Fachgebiet Massivbau und Baukonstruktion, Technische Universität Kaiserslautern

Eine prioritäre Aufgabe des Sachkundigen Planers im Vorfeld alternativer Instandsetzungskonzepte besteht u. a. darin, im Rahmen der Ist-Zustandsermittlung neben der Beurteilung der materialtechnischen Defizite bezu?glich der Dauerhaf- tigkeit eine Aussage zur Standsicherheit des Betonbauwerks zu treffen. In den letzten Jahren hat der Anteil an Bestandsbauwerken mit fehlenden Bestandsunterlagen (Schal- und Bewehrungspla?ne, statische Berechnungen) signifikant zugenommen. In diesen Fa?llen steht der Planer vor der Herausforderung, sich mit einem technisch und wirtschaftlich vertretbaren Aufwand einen U?berblick u?ber die geometrische Gestalt, Wanddicken u. a. zu verschaffen. Während BIM im Neubau inzwischen üblich ist, steckt die Digitalisierung von Bestandsbauwerken noch in den „Kinderschuhen.“ In dem Beitrag wird der derzeitige Kenntnisstand der Digitalisierung von Bestandsbauwerken vorgestellt.

 

4. Möglichkeiten und Grenzen experimentell gestützter Tragsicherheitsnachweise an Stahlbeton- und Spannbetonbauwerken im Hoch- und Ingenieurbau
Prof. Dr.-Ing. Marc Gutermann, Institut für experimentelle Statik, Hochschule Bremen

Bei fehlenden Bestandsunterlagen steht der Sachkundige Planer vor der Herausforderung, mit einem technisch und wirtschaftlich vertretbaren Aufwand die Frage der Tragsicherheit zu klären. Hierbei sind ihm die zerstörungsfreien Prüftechniken (Radarverfahren, Ultraschallverfahren, Magnetresonanzverfahren u. a.) neben den stichprobenartigen Bauteilöffnungen zur Kalibrierung der zerstörungsfrei gewonnen Messergebnisse eine Hilfe. Der Vortrag stellt Möglichkeiten und Grenzen experimentell gestützter Tragsicherheitsnachweise an Stahlbeton- und Spannbetonbauwerken im Hoch- und Ingenieurbau vor.

 

5. Die neue Vorgehensweise bei der Qualitätssicherung von Instandsetzungsprodukten unbekannter Zusammensetzung im Geschäftsbereich des Verkehrswasserbaus
Dipl.-Ing. Andreas Westendarp, Bundesanstalt für Wasserbau, Karlsruhe

Für Instandsetzungsprodukte, die in den Geltungsbereich der harmonisierten Normen DIN EN 1504, Teil 2 (Oberflächenschutzsysteme) und DIN EN 1504, Teil 3 (Mörtel u. a) fallen ist es nicht möglich, wesentliche Leistungsmerkmale, die zur Erfüllung der Bauwerksanforderungen erforderlich sind, durch eine CE-Leistungserklärung zu dokumentieren. Die Übergangsregelung für die Geschäftsbereiche des Verkehrswasserbaus und des Bundesfernstraßenbaus, durch Vorlage gültiger ABPs und Übereinstimmungsbestätigungen, einen Nachweis der Verwendbarkeit und der Leistungsbeständigkeit der Instandsetzungsprodukte zu erbringen, ist zum 30.06.2019 ausgelaufen. Die neue Vorgehensweise zur Qualitätssicherung von Instandsetzungsprodukten unbekannter Zusammensetzung (frühere Bezeichnung: PCC, SPCC u. a.) sieht vor, dass Gutachten der Bauprodukthersteller angefertigt von einer qualifizierten Stelle nach § 30 der Bauproduktenverordnung vorgelegt werden müssen, um zu gewährleisten, dass die Grundanforderungen an Bauwerke nach der Bauproduktenverordnung eingehalten werden.

 

6. Planung und Ausführung von Bauteil-/Bauwerkssegmentfugen und Arbeitsfugen im Zuge von Betoninstandhaltungsabeiten – Planungsgrundlagen, ausgewählte Ausführungsdetails, Schäden
Prof. Dr.-Ing. Rainer Hohmann, Fachhochschule Dortmund

Der Sachkundige Planer muss sich bei der Planung und Bauüberwachung von Betoninstandhaltungsmaßnahmen auch um die Ausgestaltung von Fugen sowohl an Bestandsbauwerken als auch bei Neubaumaßnahmen (z.B. an Parkbauten) beschäftigen. Die fachkundige Ausgestaltung der Fugen wird oft „stiefmütterlich“ behandelt. Im Vortrag werden die Planungsgrundlagen zu den genannten Anwendungsbereichen erwähnt, Planungsgrundsätze für die Ausgestaltung unterschiedlicher Fugenlösungen (Fugenabdeckbänder, Kompressionsfugen, Fugenprofile u. a.) vorgestellt und abschließend unplanmäßige Erhaltungszustände, die auf Planungsfehler zurückzuführen sind, ergänzt.

 

7. Gutachten / Planung und Ausführung von Betoninstandhaltungsmaßnahmen unter Berücksichtigung technischer Regelwerke und der Neuregelung des Architekten- und Ingenieurvertrags nach §§ 650 p ff. BGB
Prof. Dr. jur. Gerd Motzke, Rechtsanwalt, Mering und Honorarprofessor für Zivil- und Zivilverfahrensrecht an der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg

Im konsolidierten Gelbdruck der Instandhaltungs-Richtlinie werden als übergeordnete Instandsetzungsziele adressiert: 1. Erfüllen der Grundanforderungen an Bauwerke über die Restnutzungsdauer und 2. Korrosionsschutz des Betons und der Bewehrung sowie Beständigkeit des Instandsetzungssystems und Dauerhaftigkeit des Verbundes über die geplante Restnutzungsdauer. Daraus ergeben sich u. a. folgende Fragestellungen: Welche Konsequenzen ergeben sich für die Angebotserstellung, bei der Ist-Zustandserfassung, Erarbeitung von Instandsetzungskonzepten und der Ausführungsplanung? Erscheint es opportun, bei einer Angebotserstellung diese übergeordneten Instandsetzungsziele einzugrenzen / zu präzisieren? Sind die Ist-Zustandsfeststellung und die Erarbeitung eines Instandsetzungskonzeptes vorzugsweise als „Gutachten“ einzuordnen oder lohnt es sich, diese Leistungsphasen der HOAI zuzuordnen? Welche Rolle spielt DIN 18 205, Fassung 2016-11?

 

Der GUEP Planertag ist als jährlich wiederkehrendes Fachsymposium im Jahr 2005 ins Leben gerufen worden und ist Forum und Plattform für alle an der Betoninstandhaltung interessierten Kreise.